18 | Ein Stein im Weg

Am Dorfausgang von Röllshausen lag der Hoose-Hof. Viele Leute hatten es sich angewöhnt, mit ihren Schubkarren einfach über diesen Hof zu fahren, wenn sie aufs Feld wollten. Es war eine Abkürzung. Das passte dem Besitzer natürlich nicht. Also packte er einen dicken Stein mitten auf diesen „Weg“ am Ausgang seines Hofes. Er muss aber noch etwas mehr getan haben.
Eines Nachts kommt nun einer gegen elf Uhr nach Hause. „Ach“, denkt er, „gehst über Hooses Hof, das ist kürzer!“ Als er gerade über den Stein steigen will, da schlägt’s elf, und der Nachtwanderer sitzt rittlings auf dem Brocken und kommt nicht mehr runter. Erst als es zwölf schlägt, ist der Bann gebrochen. Seitdem hieß es, im Ried sei es nicht geheuer.
Ein späterer Besitzer des Hoose-Hofes kommt einmal nachts nach Hause und ist gerade auf der Höhe seines Gartens in der Nähe des Steines, als die Kirchturmuhr elf schlägt. Da kommt er plötzlich nicht mehr von der Stelle. Ob er lange, kurze, schnelle oder langsame Schritte tut, er kommt einfach nicht vom Fleck. Erst als es zwölf schlägt, kann er weitergehen. So war der Stein dem Hofbesitzer selbst zum Hindernis geworden. Noch lange hat der unheimliche Stein an dieser Stelle gelegen, aber seit der Verkoppelung führt der Weg jetzt am Hof vorbei.
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