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17 | Der versunkene Brautwagen in der Gungelbach

Historische Illustration einer Hochzeitsgesellschaft im Wald: Eine Braut im traditionellen Kleid steht erschrocken auf einem Brautwagen, während Pferde im sumpfigen Bach scheuen. Reiter mit Peitschen versuchen vergeblich, den Wagen aus dem Morast zu ziehen; Bäume und dichtes Gehölz umgeben die Szene.

Ein Mädchen aus Schrecksbach und ein Bursche aus Merzhausen hatten sich versprochen, und im Frühjahr sollte in Merzhausen die Hochzeit sein. Die Eltern des Brautpaares waren reiche Bauern, so dass zwei große Güter zusammenkamen.

Am Hochzeitstag sollte der Brautwagen mit der Braut und den Hochzeitsgästen von Schrecksbach nach Merzhausen fahren. Die Braut setzte sich auf einen Stuhl, der vorne auf dem Wagen stand. Da sie recht klein war, reichten ihre Füße nicht bis auf das Unterbrett. Also wurde die Magd ins Haus geschickt, um ein Fußbänkchen zu holen. Da sie aber keins fand, lief sie in den Keller, holte einen großen Laib Brot und legte diesen auf das Unterbrett, und die Braut stellte ihre Füße darauf. Im Vaterunser beten wir „unser täglich Brot gib uns heute“, deshalb darf man das Brot nicht mit Füßen treten, und noch zur selben Stunde wurde diese große Sünde bestraft.

Der Bräutigam und die Hochzeitsreiter holten den Brautwagen ab, um ihn nach Merzhausen zu geleiten. Da es noch keine Straßen gab wie heute, fuhren sie auf einem Feldweg durch die Gungelbach. Als sie in den Wald kamen, wurde der Weg sumpfig, und an der sumpfigsten Stelle tat sich plötzlich die Erde auf, und der Brautwagen sank langsam in die Tiefe. Die Reiter schlugen auf die Pferde ein, fluchten und lärmten, um den Wagen wieder herauszuziehen, aber alles Donnern und Wettern half nichts. Die Erde schloss sich über den Köpfen der Menschen zusammen, bis sie spurlos verschwunden waren.

In Merzhausen warteten die anderen Hochzeitsgäste Stunde um Stunde auf den Kirchgang, aber die Hochzeit konnte weder an diesem noch an einem anderen Tag gefeiert werden. Der Wald, in dem viele Eichen stehen, wird seither „Eichleid“ genannt, weil dort so großes Leid geschehen ist. Wenn man um die nämliche Zeit an dieser Stelle vorbeigeht, soll man die Reiter noch fluchen hören, aber wer kann sich noch an diese Zeit erinnern!

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