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16 | Die verhexten Pferde

Stallszene: Zwei helle Apfelschimmel-Pferde stehen an einer Holzkrippe und fressen gierig Hafer; um ihre Hälse hängen rote Bänder mit kleinen Zetteln. Daneben steht ein Bauer in Arbeitskleidung, lächelt erleichtert und beobachtet die Pferde, während warmes Sonnenlicht durch ein Fenster in den alten Stein- und Fachwerkstall fällt.

Ein Bauer aus Salmshausen war besonders stolz auf seine Pferde. In seinem Stall standen zwei Rappen, zwei Braune und ein Paar Apfelschimmel.

Mit dem Schimmelgespann war er einmal in Alsfeld gewesen, hatte die Pferde vor der Wirtschaft ausgespannt, ihnen den Hafersack vorgehängt und dann seine Geschäfte besorgt. Als er die Schimmel wieder einspannen wollte, rannte in einem fort ein kleines graues Männchen um die Tiere herum. Aber wer achtet schon auf so ein kleines Wesen! Erst zu Hause fiel es dem Bauern wieder ein, denn da standen die Pferde in ihrem gewohnten Stall vor einer vollen Krippe mit dem besten Hafer und rührten nichts an. Auch am nächsten Tag fraßen sie nichts. Es mußte also etwas geschehen!

Nun lebte in Heidelbach eine Frau, die war bekannt dafür, daß sie etwas konnte. Die las im 7. Buch Mose nach, als ihr der Salmshäuser seinen Fall vorgetragen hatte; dann schrieb sie etwas auf zwei Zettel, faltete sie zusammen und gab sie dem Bauern mit der Weisung, sie den Pferden mit einem besonderen Garn um den Hals zu binden. Kaum hatten die Tiere den Zettel um den Hals, da fingen sie an zu fressen, als müßten sie alles Versäumte nachholen.

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