Sagenstandort:

15 | Sagenhaftes Schicksal einer Glocke

Stallszene im Halbdunkel: Eine große historische Kirchenglocke mit der Jahreszahl 1736 steht im Stroh eines Pferdestalls, während ein Pferd neugierig den Kopf senkt und die Glocke betrachtet; Sonnenlicht fällt durch ein kleines Fenster und beleuchtet Staubpartikel in der Luft.

Nachdem Salmshausen 1275 in den Besitz des Klosters Haina gekommen war, fragten die Zisterzienser nicht nur nach Einkünften und Zehnten, sondern fühlten sich auch für das geistliche Wohl der Einwohner verantwortlich.

Sie sorgten dafür, dass eine Kirche errichtet wurde, die in einer Urkunde von 1279 erstmals erwähnt wird. Damit stieg Salmshausen zur Filiale der Pfarrei Schönberg auf.

Was fast vierhundert Jahre Bestand hatte, wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Im Jahre 1634 legte der kaiserliche General Bennighausen das Dorf mitsamt der Kirche „in die Asche“. Einen Abendmahlskelch und die Reste der Glocke, nicht mehr als im Feuer geschmolzene Metallklumpen, konnten die Salmshäuser aus den Trümmern der Kirche retten. Als es nicht gelang, sie schon ein Jahr später neu gießen zu lassen, wurde die Glockenspeise in einem Brunnen versenkt und so vor weiteren Plünderungen geschützt.

Es dauerte hundert Jahre, bis 1736 tatsächlich eine neue Glocke gegossen werden konnte, dieselbe, die heute noch auf dem neuen Kirchturm hängt. Die Inschrift darauf nennt den Namen des Glockengießers Johann Georg Ullrich aus Hersfeld sowie die Namen des Greben und einiger Kirchenvorsteher. In Ermangelung einer Kirche wurde die neue Glocke auf dem Wohnhaus des Hellwig-Kellerschen Gutshauses angebracht, wo sie bis zum Abbruch des Hauses 1840 blieb. Nun musste sie umziehen auf das Wirtshaus Knapp. Bis dahin war die Glocke zu den Gebetszeiten geläutet worden, dann erklang sie nur noch zum Abendläuten, und schließlich läutete sie nur noch zu Gemeindeversammlungen oder Bekanntmachungen.

Im Jahre 1882 kam der Bürgermeister auf die Idee, sie zu verkaufen. Weil man sich aber über den Preis nicht einigen konnte, kam es nicht dazu. Nun wanderte die Glocke in einen Pferdestall, wo sie zum Verstummen

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