10 | Keine Ruhe im Grab

Im alten Pfarrhaus in Röllshausen hatte die Pfarrersfrau viel, viel Geld unter einer Steinplatte im Hausflur versteckt. Als sie gestorben war, sah man sie jede Nacht als ein weißes Gespenst im Hausflur rumschleichen. Wer sie erlösen wollte, der musste ohne Sünde sein.
Nun hatte die Köchin des Pfarrers eine zwölfjährige Tochter. Zu ihr sagte die Mutter, als sie wieder das Rascheln des weißen Gespensts hörte: „Geh mal raus in den Hausflur und frag, was es eigentlich noch will.“
Das Kind ging raus und fragte: „Was willst du denn noch hier?“
Das weiße Gespenst sagte traurig: „Heb mal die Hausflurplatte dort hoch!“
Das Kind antwortete: „Das kann ich nicht. Das musst du selber tun.“ Da hob das weiße Gespenst die Platte hoch, dort lag unmenschlich viel Geld darunter.
Das weiße Gespenst sagte: „Ich bekomme keine Ruhe im Grab, bis das ganze Geld unter den armen Leuten verteilt ist.“
Dies geschah nun, und seit dieser Zeit hat man das weiße Gespenst nicht wieder gesehen.
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