Sagenstandort:

09 | Die Kirche von Schönberg

Illustration einer Sage: Mehrere Dorfbewohner stehen nachts in einer Kirchenruine um eine aufgebrochene Stelle im Boden; ein leuchtender Kessel voller Gold steigt aus der Tiefe auf, während ein Mann erschrocken warnt und die Gruppe zurückweicht.

Am rechten Schwalmufer liegt auf einem einzelnen Berg das Kirchdörfchen Schönberg, dessen uralte Kirche weit ins Land hinausschaut und von weitem einen malerischen Anblick gewährt. Diese Kirche soll ums Jahr 900 von Ottrau aus gegründet worden sein und war einst die Hauptkirche des Gerichts Röllshausen, zu dem außer Röllshausen und Schönberg auch Salmshausen und Röllhausen gehörten.

Unter dem Altar oder unter dem ersten Treppentritt des Eingangs dieser Kirche soll ein Schatz verborgen liegen, der sich um Mitternacht heben läßt. Einst haben es arme Leute versucht, sind aber arg enttäuscht worden. Sie gruben unter dem Altar nach dem Schatz und sahen schon den Kessel mit dem Gelde blinken, der aus der Tiefe heraufgestiegen war. Da schien es ihnen auf einmal, als ob der Altar in den Boden versinke. Einer brach das Schweigen, das nötig ist, wenn man einen Schatz heben will, und sagte warnend: „Geht weg!“ Da verschwand der Kessel mit dem Geld, und die Schatzgräberei war umsonst gewesen.

Auch Gespenster hausen in dieser Kirche. Ein Bursche hatte gewettet, er wolle um Mitternacht hineingehen, um ein liegengebliebenes Gesangbuch daraus zu holen. Mutig ging er in die dunkle Kirche hinein und fand auch bald das Buch. Als er aber damit hinausgehen wollte, blieb er mit dem Kittel an einem Nagel hängen und konnte sich nicht befreien. Er glaubte, ein Gespenst halte ihn fest, und der ausgestandene Schrecken brachte ihm den Tod.

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