08 | Auf Ziegenböcken zur Kirmes

Man kann das heute gar nicht mehr glauben, aber mein Vater hat es mir immer als wahre Geschichte erzählt.
Da sind dann drei Jungen mit ihm gegangen, und keiner hat mehr ein Wort gesprochen. Durch Röllshausen gingen sie zum Schönberg. Dort oben ist ein alter Friedhof, und wie sie über den Friedhof gehen, da sehen sie ein helles Lichtchen schimmern. Sie gehen darauf zu, und einer von ihnen gibt dem Lichtchen einen Tritt – da ist es ein Totenkopf. Der fängt an zu sprechen und fragt: „Wie heißt du?“ „Ich bin der Andres“, antwortet der Junge. Die Burschen gehen weiter, und wie sie zur Kapelle kommen, da stehen auf einmal vier Ziegenböcke vor ihnen. Große Ziegenböcke, jeder mit einem Sattel auf dem Rücken. Da müssen sie nun drauf steigen, und dann geht’s los, übers Feld querfeldein über Salmshausen und Zella und am Bahnhof vorbei.
Danach kommt ein kleiner Bach, die Grenff, da springt auch einer nach dem andern drüber hin. Aber der Hinterste spricht auf einmal: „Das ist meinem Ziegenbock zu breit!“ Und schon fällt er ins Wasser, aber die andern reiten weiter. Kurz vor Obergrenzebach bleiben die drei Ziegenböcke stehen, der vierte ist verschwunden. Die Burschen steigen ab, gehen auf die Kirmes und amüsieren sich ordentlich. Sie hatten verabredet, sich um zwei Uhr morgens wieder zu treffen.
Als sie zurückkamen, standen die Böcke wieder bereit, und sie ritten zurück zum Friedhof auf dem Schönberg. Von da gingen sie sogleich nach Hause, und die Ziegenböcke waren verschwunden. So hatten die Burschen auch ohne Schuhe ihr Vergnügen gehabt. Wer das aber war, der das konnte, das hat mein Vater mir leider nicht erzählt.
Sage auf Hochdeutsch anhören:
Sage auf Schwälmer Platt anhören:
