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02 | Der Riese und der Zwerg

Ein Zwerg mit Zwille zielt auf einen Riesen, der auf einem Felsen steht und einen großen Stein zum Wurf hebt; dramatische Wald- und Berglandschaft mit Gewitterhimmel im Hintergrund.

Viele Sagen erzählt man sich darüber, wie der „Wipperstein“ oder „Wippestein“ in den Merzhäuser Wald gekommen ist. Wer kann wissen, welches die „richtige“ Geschichte ist? In Schrecksbach erzählen die Leute so:

Einst lebten bei Schrecksbach ein Riese und ein Zwerg: der Riese auf der Gonzenburg, der Zwerg auf dem Hohenrodt. Kein Tag verging, daß die zwei sich nicht beschimpften. Um sich gegen den Riesen zu wehren, baute sich der Zwerg eine Zwille, sammelte ein Häufchen Bucheckern und fing an, ihn damit zu beschießen. In die Augen wollte er ihn treffen, dann wäre er vor ihm sicher!

Als der Riese die winzigen Geschosse auf sich zufliegen sah, begann er in seinem Ärger den Zwerg mit Steinen zu bewerfen. Wer aber meint, der Zwerg hätte nun Angst bekommen, der irrt sich! Er beschimpfte den Riesen immer weiter. Darüber wurde der Riese so zornig, daß er mit einem tonnenschweren Stein nach dem Zwerglein warf. Von diesem Stein wurde der vorwitzige Wicht erschlagen. Nun war endlich Ruhe. Man hörte keine Schimpfworte mehr, und es flogen keine Bucheckern mehr durch die Luft.

Die kleine Zwille des Zwerges hatte die Bucheckern nur bis auf die halbe Höhe des Berges getragen. Dort blieben sie liegen. Nach etlichen hundert Jahren waren fünf stattliche Buchenbäume daraus gewachsen. Heute sind ihre Stämme so dick, daß vier Leute sie kaum umfassen können.

Auf dem großen Stein aber hat sich die Riesenhand mit Handballen und fünf Fingern eingedrückt. Weil der Riese den Stein in seiner Hand hin- und hergewippt hat, um ihm ordentlich Schwung zu geben, nennt man ihn den „Wippestein“. Und wenn er reden könnte, dann könnte er uns viel erzählen!

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